Umgang mit einer vermuteten Kindeswohlgefährdung

So kannst du vorgehen, wenn Kinder oder Jugendliche dir von einer potenziellen Kindeswohgefährung erzählen, die erlebt wurden oder immer wieder erlebt werden:

1. Begleite das Kind mit seinen Gedanken

2. Folge den genannten Ängsten 

(„Ich nehme das ernst. Gut, dass du mir das gesagt hast“) 

3. Verspreche keine generelle Geheimhaltung aber sage Information und Mitbeteiligung des Kindes/Jugendlichen zu („Das kann ich dir nicht versprechen, denn das, was du erzählst, ist nicht okay und darf nicht passieren. Ich kann dir aber versprechen, dass ich nichts hinter deinem Rücken unternehmen werde. Ich teile dir mit, was ich tun möchte.“) 

4. Bewahre Ruhe (Sekundärschädigungen vermeiden) 

5. Protokolliere, was du erfahren hast (auch wörtliche Zitate) 

6. Informiere IMMER deine Teamkoordination. Damit gibst du die Verantwortung für das weitere Vorgehen an die Leitung von AssistenzUp ab. 

7. Berate dich mit deiner Teamkoordination und der Leitung von AssistenzUp, um das weitere Vorgehen (möglichst Zugang zu den Sorgeberechtigten zu finden) zu besprechen 



Aufgrund wichtiger gesellschaftlicher Werte und Normen (gut/böse) neigen wir dazu, in Täter*innen-Opfer-Strukturen zu polarisieren und uns mit dem Opfer zu solidarisieren. Dabei ist aber immer auch eine Abspaltung eigener Täterimpulse im Spiel. Eine differenzierte Sichtweise, die uns das fachliche, und damit für die betroffene Person hilfreiche Handeln ermöglicht, geht in Angesicht des Leids leicht verloren. 

Versuche mit Blick auf Risikofaktoren und mit einer systemischen Sichtweise, die innerfamiliäre Dynamik der Gewalt zu erkennen. 

Verständnis ist nicht gleich EINverständnis! 


Das Verhalten von Angehörigen nachzuvollziehen (versuchen zu verstehen) heißt nicht, dieses gutzuheißen oder zu tolerieren. Es eröffnet dir Möglichkeiten des Zugangs zu den Eltern und damit die Möglichkeit, die Gewaltspirale zu unterbrechen. Verständnis für die Dynamik von familiärer Gewalt ist also ein wesentlicher Bestandteil wirksamen Kindesschutzes. 

Schutzkonzept AssistenzUp - Stand 01.01.2022